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Wolf-Dieter Holz  Impressum |

Einfach mal raus!

Tag 5


Heute geht es wieder heimwärts, die Entscheidung ist gestern gefallen. So macht es keinen Sinn mehr. Und ich bin hier ja auch im Urlaub und nicht auf einem Selbstfindungsseminar.


Der Plan ist einfach: Gleiche Strecke zurück, Übernachtung an der Oder ca. in Lebus. Am nächsten Tag vorbei an Fürstenberg zu "meiner" Insel am Oderbogen nach Ratzdorf vom vergangenen Jahr. Tour ausklingen lassen, einen Tag angeln und rumgammeln, am Abend zurück nach Eisenhüttenstadt und von dort aus nach Hause. So weit der Plan…


Die Nacht war nicht so ruhig wie die letzte. Was auch immer man in den drei Häusern getrieben hat - ackern um 10 Uhr abends bis 01 Uhr morgens am Sonntag ist auch dort nicht üblich... Geschlafen habe ich trotzdem gut, was vor allem dem monotonen Klang der Regentropfen auf dem Tarp geschuldet war.


Am Montag bin ich um 07:00 Uhr aus dem Schlafsack gekrochen. Bedeckter Himmel, aber kein Regen mehr. Nach Frühstück, Verpacken, Lagerstelle säubern und Kaffee trinken ging es um 09:30 Uhr rein praktisch los. 12°C, Wind 3 bis 4 aus der üblichen Richtung. Ich habe noch mal eine Runde gedreht und einen letzten Blick auf das Ufer der Übernachtungsstelle geworfen.





Und noch ein kleines Stück bergauf, um einen Blick auf den Bauernhof zu werfen.


Er liegt vor dem Deich, was die Situation sicher nicht einfacher macht.


Dann ging es wieder bergab. Wie die Masse der nachfolgenden Fotos zeigt, gibt es immer wieder neues zu sehen, auch wenn man die Strecke schon einmal zurückgelegt hat.



An vielen Stellen der Netze gibt es Altarme. Sie sind mit Motorkraft nicht befahrbar.




Ein Naturparadies, auch Adler kann man beobachten. Interessanterweise ist das nicht durch Verbote entstanden oder erhalten worden



Das Hinweisschild der Marina Santok. Die Infrastruktur sieht gut aus, es gibt Strom und Sitzgelegenheiten. Nur die Sache mit dem Sprit ist betrüblich. Ein Anlegen lohnt aber allemal.



Die Gemeindeverwaltung in Santok, unmittelbar am Zusammenfluß von Warthe und Netze gelegen.



Überhaupt wohnt man in Santok wegen der fehlenden Deiche fast überall oben. Auch auf dem Gebiet der Gemeindeverwaltung läßt sich das gut erkennen.



Bei km 65,2 liegen am rechten Ufer zwei ehemals deutsche Bunker.


Wohnen am Fluß.



Angeln ist in Polen Volkssport. Und wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Ich kann mir bis jetzt nicht vorstellen, wie man mit so einem Gefährt ans Ufer kommt. Aber dieser polnische Angler hat es geschafft...



Landsberg vom Osten her gesehen. Schön geht anders, aber irgendwo müssen die Menschen da ja irgendwo wohnen...



Am linken Ufer, direkt gegenüber des pompösen Uferpromenadenneubaus, befindet sich das Heim des örtlichen Ruderclubs.







Oben noch ein paar Impressionen von einem Montagvormittag



Lange dauert es nicht mehr, dann hat mich die Oder wieder. Mit 11 km/h geht es weiter in Richtung Küstrin.



Durchstarten vor dem böse tuckernden Schlauchboot.



Und dann gab es doch noch Verkehr auf dem Wasser. Die Tatanka kommt mir bergauf entgegen. Überhaupt war wenig Verkehr auf dem Fluß. Vielleicht ändert sich das in der Ferienzeit, ich denke aber, nur unwesentlich. Man grüßt sich freundlich und nimmt Rücksicht aufeinander.



Die Baustelle kurz vorm km 33 und damit der vorletzten Übernachtungsstelle. Da passiert, was schon bei Hinfahrt geschehen ist. Plötzlich gibt der Motor seltsame metallische Geräusche von sich. Wattn nu schon wieder?? Und wie schon auf der Hinfahrt dauert es Sekunden bis ich dahinterkomme: Das ist die Ramme der Baustelle - nicht der Motor. Auch so Schrecksekunden, auf die ich gern verzichten kann.



Ihn stört das freilich wenig.



Ja, die stehen mitten im Fluß. Schon eine deutliche Warnung, sich an die Fahrrinne zu halten und Abkürzungen zu meiden.



Ich frage mich, ob dieser Misthaufen jemals von Menschenhand umgesetzt werden muß...



Das da oben war die erste (und letzte) knifflige Frage der Tour. Die Fähre vor Küstrin, eine Seilfähre. Auf der Hinfahrt ruhte sie still am Ufer. Nun aber ist sie in Betrieb. Ich also das "Tempo" rausgenommen. Man fuhr mit der Langsamkeit des Seins von rechts nach links. Wobei ich mich fragte, ob die Fähre einer rudert. Man fuhr bis zur Flußmitte, verharrte und fuhr dann zurück - nach rechts. Häh?? Übrigens genau so langsam. Die Annäherung brachte Aufklärung. Am rechten Ufer wartete eine Frau auf das Übersetzen. Und die Fähre wird in der Tat per Hand vorwärts bewegt. Also das Schlauchboot gegen den Strom gedreht und gewartet wie es sich gehört. Daraufhin wildes Gestikulieren auf der Fähre: Fahr doch links vorbei!! Kann nix passieren! Keine Ahnung, wie tief das gespannte Seil unter der Wasseroberfläche liegt. Ich warte weiter. Als die Fähre das Ufer dann fast erreicht hat, erneut wilde Gesten. Ich bin dann gefahren, im linken Drittel des Fahrwassers. Ich denke, das Warten war die richtige Entscheidung.


Das Hinweisschild der "Marina" in Küstrin. Ich habe genauer geschaut, aber sie scheint in der Tat nur aus dem schon gezeigten Anleger des Cafes zu bestehen.


Es ist mittlerweile 17:05 Uhr und die Oder hat mich wieder. Es geht die Oder bergauf. Das wird ein langer Tag! Mal sehen, wie weit ich komme. Eigentlich sollte es bis Lebus gehen. Aber irgendwie habe ich so ein Gefühl: Das wird nicht werden…



Hier stellt sich die Frage, wer denn nun Recht hat: Die Tonnen oder der Lieger??


Ufernmauer in Küstrin mit Bresche.


Ufermauer in Küstrin mit Verzierung.


Und der schon bekannte Rückblick auf die Festung.


Und auch an der Oder gibt es Möglichkeiten, sein Angeln so zu gestalten, daß man die Gerätschaften nicht meilenweit tragen muß.




So langsam verschwindet das Sonnenlicht. Zeit, sich nach einer Übernachtungsstelle umzusehen, denn bis zum Sportbootanleger in Lebus werde ich es heute nicht mehr schaffen. Das wird schon wieder mal ein Verstoß gegen die Verordnungen. Ich lege beim km 599 um 21:05 Uhr am deutschen Ufer an. Die Bedingungen sind nicht optimal, aber es ist auszuhalten. Jedenfalls, nachdem ich das Boot in der Buhne noch einmal umgesetzt habe.



Hier ist das Tarp schon aufgebaut und man erkennt die Vorteile gegenüber einem Zelt. Damit wäre es hier nie und nimmer etwas geworden.


Heute wurden 95 km zurückgelegt. Der Wetterbericht (dieses Mal auf UKW und deshalb mit der Hoffnung, daß er stimmen wird) verheißt andauernde, ergiebige Schauer in der Nacht. Beim Feierabendbier lasse ich den Tag Revue passieren. Ziel fast erreicht. Sonderlich glücklich bin ich trotzdem nicht. Es geht vorzeitig zurück. Und mein rechtes Knie schmerzt in Folge des ständigen Sitzens bei geringem Bewegungsspielraum.



Noch sieht es jedoch nicht nach Regen aus. Der Fluß verabschiedet sich so von mir: