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Wolf-Dieter Holz  Impressum |

Einfach mal raus!

Nordtour  


Eigentlich wollten wir für den Spreewald keine konkreten Tourenvorschläge einstellen, denn zu vielfältig sind die Möglichkeiten und natürlich wechseln auch die Gegebenheiten vor Ort sehr schnell. Dennoch hier ein Vorschlag: Die Nordtour.

Übersicht:
Die Tour führt über ca. 28 km auf einem Rundkurs durch den Nordteil des Spreewalds. Auf der Strecke sind 5 Schleusen und 5 Wehre zu überwinden. Der touristisch erschlossene Teil des Spreewaldes wird in der ersten Tourhälfte gestreift.
Es ist nicht die klassische Spreewaldtour mit Touristen und engen Fließen. Hier im Norden geht es etwas großzügiger zu. Viel Natur, viel Zeit zum Nachdenken oder auch nur zum Seele baumeln lassen.

Zeit:
Einen Tag sollte man für die vorgestellte Tour einplanen. So bleibt Zeit für Fotopausen und Mittagessen.

Anfahrt:
Man durchfährt die Ortslage Schmogrow in Richtung Südwest (L501 – Burger Straße). Nach dem Ort überquert man eine Brücke über den Nordumfluter. Zum Zeitpunkt des Besuches (09/05) konnte man noch kurz hinter der Brücke nach Westen auf einen Plattenweg auffahren und diesem folgen, bis das erste Wehr auftaucht. Dort das Auto parken, entladen und es kann losgehen. Sollte mal wieder jemand Schilder aufstellen, dann gleich am Abzweig nach der Brücke parken. Dadurch verlängert sich die Tour um ca. 4 km.

Anforderungen/ Gefahren:
„Sind ja nur 28 km...“ Vergessen Sie es. Wenn man das erste Mal im Kajak sitzt, sollte man nicht unbedingt diese Tour wählen. Je nach Witterungsbedingungen hat man in der zweiten Tourhälfte erhebliche Gegenströmung. Dort warten auch die kräftezehrenden Umtragungen. Der Nordumfluter verläuft über weite Strecken sehr gradlinig. Die Überraschungen gibt es also erst zum Schluß.
Besondere Gefahren gibt es keine. Die Tour sollte auf keinen Fall begonnen werden, wenn auch nur die geringste Gefahr von Gewittern droht. Im ersten Tourteil gibt es einige Schutzmöglichkeiten, in der zweiten Tourhälfte nach der Schleuse Kannomühle nur noch ganz vereinzelt. Selbst ein Anlanden ist über größere Strecken des Nordumfluters mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden.

Ausrüstung:
Zuerst einmal das Übliche. Leine zum Schleusen nicht vergessen! Mückenschutzmittel als Zusatzausstattung kann auch nicht schaden.
Der Nordumfluter ist nicht touristisch ausgebaut. Hier gibt es nichts außer Natur pur und Wehre. Für das Umtragen ist ein kleiner Transportwagen sehr zu empfehlen.

Die Tour:
Los geht es bei Wehr IV des Nordumfluters, konkret bei der vorbereiteten Einsatzstelle knapp südlich davon, wo das Große Fließ nach einem Düker wieder zum Vorschein kommt.


An der Einsatzstelle


Flotte Strömung verheisst gutes Vorankommen, Orientierungsschwierigkeiten sollte es keine geben. Nach rund 500 m Fahrstrecke zweigt rechts das Kleine Fließ ab – hier links halten. Ansonsten gibt es unbewohnte Natur zu sehen.


Auf dem Fließ


Aber nicht lange. Häuser tauchen am Fließ auf und mit ihnen allerlei Kleinigkeiten:


Haustierausflug…

Wohnen am Wasser


Ganz links: Seltsame Verkehrsschilder….


Sehr alte Bäume


Nach der Brücke der L 51 gibt es einen Imbiß, der allerdings nur in der Saison betrieben wird. Nach einem weiteren Kilometer ist die erste Schleuse erreicht – die Schleuse Wotta am km 15,32 des Großen Fließes. Die Bedienung sollte keine Probleme bereiten.


Schleuse Wotta


Manch einer wird sich fragen, was eigentlich die Baumstämme im Wasser sollen, die gelegentlich am Ufer festgebunden sind:


Wässernder Pappelstamm


Ich habe mich aufklären lassen: Es handelt sich um Baumaterial. Durch die Lagerung im Wasser wird das eigentlich minderwertige Pappelholz derart fest, dass man es zum Hausbau verwenden kann. Und dann hält es, wie an etlichen Stellen am Ufer unschwer zu erkennen ist:


Altbau


Ansonsten passieren wir einen weiteren Imbiß (ebenfalls nur in der Saison geöffnet) und erreichen die Schleuse Staupitzer Buschmühle.


Schleuse Staupitzer Buschmühle


Wie auf dem Bild leicht zu erkennen, gibt es hier eine Besonderheit: Man kann das Boot nicht treideln, was den Zeitaufwand beim Passieren erhöht. Natürlich geht es auch anders, aber das kann im Badevergnügen enden...

Nachdem wir die Schleuse passiert haben, gibt es wieder Natur zu sehen. Wir befinden uns immer noch auf dem Großen Fließ.


Viel Natur….


Irgendwann taucht die Schleuse Eiche auf (Fluß-km 10,85) und mit ihr für den Hungrigen das sichere Zeichen, das es bald was zu Essen geben könnte.


Schleuse Eiche


Natürlich nicht in der Schleuse, aber 400 m und eine Linkskurve weiter liegt das Waldhotel Eiche.


Waldhotel Eiche mit eigenem „Parkplatz“


Rund einen Kilometer weiter gabelt sich der Kanal. Links verläuft das Große Fließ, wir fahren nach rechts in das Nordfließ ein. Die Landschaft hat sich verändert. Buchenwälder säumen die Paddelstrecke. Nach einigen km Wegstrecke wartet die vorletzte Schleuse, aber noch lange nicht das Ende der Tour: Die Schleuse Kannomühle am km 13,44 des Nordfließes bietet noch einmal Gelegenheit zum Schwatz mit Gleichgesinnten, denn auf dem „Rest“ der Strecke werden uns davon nicht mehr viele begegnen.


Schleuse Kannomühle


Weiter geht es durch bewaldetes Gebiet, was sich allerdings nach einigen weiteren Kilometern lichtet. Wir halten uns rechts und bleiben auf dem Nordfließ.


Wieder Natur


Irgendwann taucht die letzte Schleuse in dieser Tour auf – die Schleuse Schützenhaus am km 15,03 des Nordfließes.


Schleuse Schützenhaus


Nachdem wir sie passiert haben – was auch wieder nicht mit Treideln funktioniert – schwenken wir nach rechts in den Nordumfluter. Heimwärts...


Auf dem Nordumfluter


Je nach Jahreszeit und Witterungslage erwarten uns zwei wesentliche Dinge, die uns das Leben schwer machen können: eine erhebliche Gegenströmung und vor allem Wind. Nachdem die dichten Schilfwälder links und rechts der dünn gewordenen Fahrrinne sich gelichtet haben, erwartet uns das erste Wehr (Neuzauche):


Wehr Neuzauche


Bewährt hat sich hier nördliches Umtragen. Wer noch Zeit hat, kann einen Blick auf das ebenfalls nördlich gelegene Schöpfwerk Neuzauche werfen. Auch die Technik ist eine Betrachtung wert.


Typschild in Neuzauche


Nach rund 3,8 km taucht das Wehr am Eichenwäldchen auf (km 18,28 Nordumfluter).


Wehr am Eichenwäldchen


Auch hier ist linksseitiges Umtragen (also auf der Nordseite) zu empfehlen. Am Gebäude kann man zur Not bei starkem Regen Schutz suchen. Das Einsetzen gestaltet sich einigermaßen schwierig, entweder ist es sumpfig oder ein Schilfgürtel verhindert den Zugang zum Wasser.
Am km 20,58 des Nordumfluters taucht Wehr I auf. Es kann beidseitig umtragen werden.


Beschilderung Wehr I


Noch ist es nicht geschafft. Weit kommen wir nicht, denn am km 22,17 wartet Wehr II. Man kann südlich umtragen.


Wehr II


Weit kann es doch nicht mehr sein? Doch – am km 23,89 taucht Wehr III auf, das ebenfalls südlich umtragen werden sollte. Noch rund 1,6 km paddeln – und wir sind wieder am Ausgangspunkt unserer Reise angelangt (Wehr IV bei km 25,48).

Wer möchte (und darf) kann den Tag noch beim Angeln ausklingen lassen, der Nordumfluter ist in diesem Abschnitt DAV-Gewässer. Und hier irgendwo könnte es gute Schleien geben... :-))



Fazit:

Eine anstrengende, aber sehr empfehlenswerte Tour.