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Wolf-Dieter Holz  Impressum |

Einfach mal raus!

Tag 4

Heute ist Gammeltag. Die kleine Insel in einer Buhne der Oder beim km 465 bot sich an. Sachen müssen getrocknet werden und die in den vergangenen Tagen wahllos in die Kisten geworfene Ausrüstung muß auch mal sortiert werden.


Die Nacht ist nicht so ruhig verlaufen wie es eigentlich zu erwarten war. Die Angler, die sich es ca. 500 m stromauf am gegenüberliegenden Ufer bequem gemacht hatten, haben ihr Bestes gegeben. Vor allem ihr hochprozentiges. Manchmal hat es sich auch so angehört, als würden sie Schweinehälften in den Fluß werfen. Gegen eins war der Spuk vorüber und der Alkohol hatte seine Wirkung getan. Dafür riefen irgendwelche Tiere nach wem auch immer. Bemerkenswert auch, das sich am Abend nur eine Wasserfledermaus einfand. Da hätte ich mehr erwartet. Schließlich gibt es hier ja sehr günstige Lebensbedingungen für die Tierchen.


Der Morgen brachte 07:30 Uhr nach dem Aufstehen Temperaturen von 6° C und viel Frühnebel. So kalt war es mir gar nicht vorgekommen. Egal, erst mal zwei Kaffee zum munter werden.


Frühnebel


Am Abend zuvor hatte ich einen Häring an die Wasserlinie gesteckt. In den letzten Nächten war das Wasser immer gefallen. Auch heute morgen waren es wieder rund 15 cm.


Sinkender Wasserstand


Vor dem sinkenden Wasserstand hatten sich auch die Muscheln geflüchtet.


Fluchtmuscheln


Überhaupt gibt es hier eine große Vielfalt von Muscheln und anderem niederen Wassergetier


Muscheln


Muscheln


Dummerweise hatte ich gestern einige dieser großen Schalen zertrampelt und die sind recht scharfkantig. Vorsichtshalber habe ich schon mal das Pflaster bereitgelegt, denn heute ist Barfußtag. Ich sollte es nicht brauchen, dafür aber was anderes. Dazu später.


Neben dem Barfußtag ist allerdings auch Basteltag. Als erstes mußte die Nationale dran, schließlich wird die Oder bald Grenzfluß. Mit Klebestreifen gelöst.


Behelfskonstruktion


In Ermangelung von frischem Fisch gab es zu Mittag Bratkartoffeln und Sülze. Auch lecker. An den Angeln entwickelte sich der Altweibersommer.


Altweibersommer


Da sonst nichts passierte, kam ich auf die Idee, ein bißchen Sonne auf den Bauch würde auch nicht schaden. Schlechte Idee, ganz schlechte Idee wie sich später herausstellen sollte. Doch erst mal entwickelte sich so etwas wie Ausflugsverkehr auf der Oder.


Ausflugsverkehr


Auch zwei andere Sportboote wurden gesichtet. Und die Angler mit dem Wodka und den Schweinehälften waren auch pünktlich zum Abend zurück und entfachten erst mal die Feuer wieder.


Feuer


Sorry für das unscharfe Bild, aber die Lichtverhältnisse waren bescheiden und ich hatte etwas Schüttelfrost und aus Platzgründen kein Stativ. Der Schüttelfrost kam vom Sonnenbrand. Der Abend war also schnell zu Ende und ich landete beizeiten im Schlafsack. An Angeln war jedenfalls nicht zu denken.




Tag 5

Die Nacht war wie die letzte. Nur mit dem Unterschied, das ich nicht alle Schlafpositionen nutzen konnte. Am Morgen erwartete mich zuerst einmal ein weiter gesunkener Wasserstand.


Das Wasser ist weg


Und ein durch den Wald brechender Kleinwagen mit Angler, der die Buhne flußab bevölkerte und mich erstaunt zur Kenntnis nahm.


Wo man so hinfahren kann


Nach zwei Kaffee und Auflösung des Nebels ging es bei 7 °C gegen 08:30 Uhr vom km 465 los. Lange mußte ich nicht fahren, beim km 469 fing die Zivilisation wieder an. Cigacice (Odereck, Tschicherzig) naht. Aber zuerst einmal gibt es rechts die Einmündung des Kanal Obrzicky. Es handelt sich um keinen Kanal nach deutschen Vorstellungen. In der Praxis ist das Gewässer nur mit Kajak oder Kanu befahrbar.


Kanal Obrzicky


Der Blick voraus zeigt die beiden Brücken von Odereck.


Brücken Cigacice


Während die vordere problemlos erschient, hat die zweite nur eine ausgewiesene Durchfahrtshöhe von 3,70 m und eine sehr beschränkte Durchfahrtsbreite. Hier ist Aufmerksamkeit gefordert.


Gefahrenstelle voraus


Auffällig ist, das die Häuser von Odereck teilweise sehr dicht an der Oder stehen.


Odereck


In der fünften Buhne rechts nach der letzten Brücke findet sich die Marina.


Marina Odereck


Am Ende des Ortes taucht rechtsseitig ein Betonklotz auf und vor ihm befindet sich die Einfahrt zum Industriehafen von Odereck.


Betonbau


Einfahrt zum Industriehafen


Nach Cigacice gibt es erst einmal wieder Natur. Allerdings nicht ganz original. Schließlich ist Sonntag und Angler bevölkern jede Buhne. So auch am km 475, wo es am linken Ufer einen kleinen Anleger und einen Rastplatz gibt. Die Besonderheit hier: Die Stelle ist mit Ortskenntnis auch landseitig einigermaßen gut von der Ortschaft Krepa aus zu erreichen.


Anleger am km 475


Kurz vorm km 478 erwartet den Wassersportler die nächste Eisenbahnbrücke. Die Brücke sollte unbedingt in der Fahrrinne durchfahren werden.


Eisenbahnbrücke


Auch ein Transporter paßt auf eine Buhne:


Parken


Das war allerdings nicht der Gipfel des Parkens am Angelplatz. Etwas früher stand schon mal ein kleiner Suzuki direkt auf dem Buhnenkopf. Dieser Angler ist aber auch nicht schlecht:


Parken


Am km 481 kündigt der Schilderwald die nächste Fähre meiner Tour an. Die Seilfähre in der Bauart, die ich schon kenne, bindet die Pomorsko an den Süden der Oder an.


Die Fähre kündigt sich an


Fähre Pomorsko


Danach gibt es erst mal wieder Natur.


Natur


Und natürlich: Angler


Angeln de luxe


Aber nicht lange, denn auch am km 485 gibt es eine Seilfähre.


Fähre


Um den km 487 liegen am linken Ufer zwei Altarme. Diese Altarme nicht befahren, die Wassertiefe reicht nur für Paddler. Außerdem liegen in der Einfahrt Steine und Gestrüpp, bei Normalpegel unter Wasser. Nach dem km 490 gibt es eine Eisenbahnbrücke ohne Besonderheiten, danach ein paar Häuser des Dorfes Bedow


Bedow


dann folgt kurz vor dem km 500 linksseitig ein bei Normalpegel befahrbarer Altarm


Altarm


Wie diese Häuser von Radnica direkt an der Oder überdauern konnten, ist mir ein Rätsel.


dicht am Wasser


In Radnica ist übrigens in älteren Karten eine Fähre eingezeichnet. Die gibt es nicht mehr.


Dieser Kahn steht am km 509 in Gostchorze


Gostchorze


Leben und Tod


Es bleibt noch ein bißchen Zeit, angesichts solcher trauriger Bilder über Leben und Tod nachzudenken, dann erscheint Krosno Odrzańskie (Crossen an der Oder) am Horizont. Und erst mal nicht von seiner besten Seite.


Crossen


Doch keine Bange, vom Wasser aus gibt es durchaus sehenswertes zu entdecken:


Am Ufer in Crossen


Crossen mit seinen rund 12.000 Einwohnern ist die letzte größere Stadt in Polen, die ich auf meiner Tour durchfahren werde. Eine Marina gibt es nicht, mitten im Ort vor der Brücke gibt es am km 514 eine Anlegestelle mit einer Slipstelle und hinter der Spundwand versteckt liegenden Stegen.


Anleger Crossen


Unmittelbar danach folgt die vielbefahrene Brücke.


Brücke Crossen


Und natürlich die unvermeidliche Anglerinvasion zum Wochenende


Anglerinvasion


Doch auch hier ist einiges am Ufer zu entdecken.


Crossen


Völlig unerwartet und für Polen ein absolutes Novum: Polizeikontrolle bei Anglern.


Polizeikontrolle


Kurz vorm km 515 mündet links der Bober in die Oder. Er ist befahrbar, jedoch kommt man nach kurzer Fahrtstrecke an einen Staudamm.


Bobermündung


Dann geht es weiter mit Natur, die Stadt habe ich hinter mir gelassen. Zeit, sich nach einer Übernachtungsstelle umzusehen.


Nichts wie weg…


Doch zuvor wartet bei der Ortschaft Polecko am km 530 die letzte Fähre meiner Tour. Auch das ist eine Seilfähre.


Fähre Polecko


Fähre Polecko


Polecko


Am km 535 steht die Ruine der alten Zollstation.


Alte Zollstation


Und am km 540 habe ich auf Anhieb meinen letzten Übernachtungsplatz auf polnischem Gebiet gefunden. Um 15:20 Uhr und damit recht zeitig landete ich auf "meiner" Insel an. Idyllisch am rechten Ufer gelegen, hinter mir ein kleiner Binnensee, vor mir die Oder.


Auf der Insel


74,8 km bin ich gefahren. Es war interessant, den Wechsel zwischen unberührter Natur, kleinen Dörfern und Städten zu beobachten. Unzählige Angler am Ufer habe ich gegrüßt. Die Fahrt war nicht sonderlich anspruchsvoll, nur bei Brücken und Fähren war die volle Aufmerksamkeit gefragt.

Morgen werde ich Deutschland erreichen. Gegen Mittag sollte ich in Eisenhüttenstadt die erste Schleusung der Tour zu bewältigen haben.