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Wolf-Dieter Holz  Impressum |

Einfach mal raus!

Tag 7

Heute ist die Tour zu Ende, es geht heimwärts. Noch rund 50 km und dann sollte Niederlehme erreicht sein.

Der Morgen begrüßte mich nicht sonderlich freundlich. Der Blick aufs Thermometer zeigte 13 °C, aber es war kein Stückchen blauer Himmel zu sehen. Grau in grau, diesig. Dafür kein Nebel wie in den vergangenen Tagen.


Strandidyll


Die Nacht hatte ich am km 81 in einem Seitenarm der SOW verbracht. So, wie der Name "Strandidyll" es versprach, war es nicht ganz. Die nahe Autobahn produziert einen gewöhnungsbedürftigen Schallpegel, der nur noch von der Eisenbahnstrecke im Norden überboten wird.


Ohne Morgenkaffee ging es um 07:20 Uhr auf den Kanal. Nach kurzer Fahrtzeit zeugen Industrie (die man übrigens auch riechen konnte...) und Bebauung davon, das Fürstenwalde naht und mit ihm die nächste Schleuse.


Fürstenwalde


Fürstenwalde


Folgerichtig tauchte sie dann auch irgendwann aus dem Dunst auf.


Schleuse Fürstenwalde


Da der Sportbootliegeplatz unmittelbar beim Schleusenwärter ausgewiesen war, habe ich auf das Telefonat verzichtet, festgemacht und die Schleusenwärterin höchstpersönlich erschreckt. Folgerichtig gingen die Lichter schnell auf grün.


Schleuse Fürstenwalde


08:25 Uhr war die Schleusung beendet und es ging wieder auf den Kanal, der sich kurz nach der Schleuse Fürstenwalde erst mal zum See weitet. Mit entsprechender Infrastruktur wie Gastlieger und Wirtshaus. Gut, nicht um halb neun morgens Ende September, aber in der Saison.


Gastlieger ohne „Fluchtmöglichkeit“


Marco Polo


Die nachfolgenden Kanalkilometer boten viele Seitenarme, die zum Anlegen und Verweilen einladen, aber erst am km 68,75 kommt nach der Mündung der (mit Motorkraft) nicht zu befahrenden Müggelspree die ehemalige Schleuse Große Tränke in Sicht.


Einfahrt in die Müggelspree


Große Tränke


Und einige km später stellte sich die Frage, wer hier am Werk war: Tier oder Mensch? Ich tippe auf Tier.


Biberspuren


Nach dem km 59 folgen erst einmal wieder langweilige Kanalstrecken, die vor allem wegen der langen Geraden nerven. Man fährt an der zulässigen Höchstgeschwindigkeit und auf so einem Schlauchi will es kein Ende nehmen.


scheinbar endlos


Da freut man sich über jede Kleinigkeit und hat Zeit, seinen Gedanken nachzuhängen.


Hier wird Sand verladen,


Sandverladung


Hier kann man rasten,


Rast am Kanal


Hier gibt es eine Versammlung von Dükern.


Düker


Und dann kam das Unvermeidliche: Es fing an zu nieseln, zwischendurch auch richtig zu regnen.


Regen


Es traf mich nicht unvorbereitet, der Wetterbericht am Vorabend hatte ja schon davon gesprochen. Zeit also, sich Gedanken zu machen, wo die Regenbekleidung liegt. Zwischendurch erlahmte der Regen immer ein bißchen und es blieb Zeit, solche Brückenreste zu betrachten.


Brückenreste


Punkt 11 Uhr ging es unter der Brücke der A 10 hindurch. Upps, das ging ja schnell. So zeitig hatte ich das gar nicht erwartet. Was sicher auch daran lag, das ich für die "Navigation" auf der SOW eigentlich gar nichts nutzte und für die nachfolgenden Seen nur einen OSM-Ausdruck zur Verfügung hatte. Gut, das war schlampig aber irgendwie zu vertreten.


A 10


Und danach brach die Hölle los. Es goß in Strömen und kurz vor der Wernsdorfer Schleuse knisterte es plötzlich hinter mir. Wattn das? Es klärte sich Sekundenbruchteile später mit einem Donnerschlag. Nur schnell anlanden, denn so ein Gewitter auf dem Kanal ist nicht sehr spaßig. An einem kleinen Steg habe ich das Gröbste abgewettert. Durch die Brille war nichts mehr zu erkennen, also ab damit. Es regnete immer noch, als ich in die Schleuse führ. Der Schleusenwärter hatte Mitleid, ich brauchte mich nicht anmelden, bei Annäherung gingen die Lichter auf Grün.


Schleuse Wernsdorf


Schleuse Wernsdorf


Mit dem Wasser unter mir verschwand auch der Regen. Noch mal Glück gehabt! 11:55 Uhr war die letzte Schleusung der Tour erledigt. Unmittelbar nach der Schleuse konnte ich nach Süden abbiegen. Es ging auf die Seen.


Auf die Seen


Nun sollte es über den Alten Wernsdorfer See, Krossinsee, Großer Zug und Sellenzugsee nach Niederlehme gehen. Viele Marinas und auch etliche Beiträge aus der Rubrik "Schöner wohnen" tauchten auf. Einige Impressionen von der Fahrt durch die Seen, leider meist grau in grau...


Alter Wernsdorfer See


Stellnetze


Durch diese Brücke geht es weiter



Schöner Wohnen 1


Kleinboot vor Bungalow


Fragt sich, ob mich hier jemand auf einem 3,60 m- Schlauchboot mit 5 PS grüßt. Um es vorwegzunehmen: Angler ja, Anwohner nein...


Wasserskistrecke Krossinsee


Zweckentfremdetes Hinweisschild


Blick zurück zum Krossinsee


Schöner Wohnen 2


Grau in grau


Auch nett…


Marina


Überhaupt ist mir aufgefallen, dass auf den Seen viele Segelboote liegen, darunter auch größere.


Irgendwann deuteten Industrieanlagen an, das mein Ziel naht. Dann tauchte die Autobahnbrücke mit der dahinter liegenden Fußgängerbrücke vor mir auf. Links war der Wasserturm von Niederlehme zu sehen. Ich war fast am Ziel.


Autobahnbrücke Niederlehme


Im Hintergrund sieht man schon den Binnenhafen von Königs-Wusterhausen.


Binnenhafen


Links verweist im Hafengebiet die Richtung zur SB-Tankstelle - dort geht es dann weiter zur Schleuse Neue Mühle. Rechts geht es ins Stadtgebiet von Königs-Wusterhausen. Die Tankstelle kam auch bald in Sicht und neben ihr die Steganlage, die das Ende meiner Reise sein sollte.


Tankstelle


Zuvor gab es noch Gelegenheit zu sehen, wie die Kohle in den Kahn kommt. Sie wird einfach reingekippt...


Kohleverladung


Um 13:20 Uhr war die Tour eigentlich vorbei. Das Boot lag am Steg.


Am Ziel


Eigentlich... Ich war zu zeitig und die Ehefrau zur Abholung noch auf der Autobahn. Also habe ich noch ein paar Runden auf den angrenzenden Seen und Kanälen gedreht. Um 16:20 Uhr tauchte dann das Empfangskomitee auf.


Empfang


In einer Stunde war alles an Ausrüstung im Auto und ich auf dem Weg nach Hause. Das Verladen hat noch einmal Schweiß gekostet, alles mußte schließlich vom Boot über den schmalen Steg und eine Treppe ins Auto. Premiere: Zum ersten Mal habe ich das Schlauchi auf einem Steg auseinandergebaut…


Eine erlebnisreiche Woche war zu Ende...