© outdoorwelten.com 2016

Wolf-Dieter Holz  Impressum |

Einfach mal raus!

Tag 3

 


Ich bin erst gegen 08:00 Uhr aufgestanden und nun zögere ich. Was soll ich tun? Das Thermometer zeigt 10 °C, der Wind hat auch wieder die 6 erreicht, die Wartha strömt stolz, aber sehr schnell an mir vorbei.


Nein, das Schilf da am anderen Ufer ist nicht so komisch schief gewachsen.. :-)



Immerhin - es regnet nicht. Auch die Masse der Ausrüstung war noch trocken. So weit, so gut. Irgendeine Entscheidung muß her. Ich habe drei Kaffee getrunken und bis 10:30 Uhr nachgedacht und abgewogen. Um dann die Entscheidung zu treffen: Ich fahre in Richtung Notec, also auf der ursprünglich geplanten Route. Ich will sehen, wie es dort aussieht. Und erst dort abschätzen, welche Handlungsoptionen bleiben.


Es wird gebaut an der Warthe. Überhaupt ist auffällig, daß entlang der Binnenrouten, die ich befahren habe, sehr viel für den Hochwasserschutz getan wird.




Das auf dem Bild oben sind keine schwimmenden Inseln aus Wasserpflanzen, das sind richtige. Die Warthe ist nur ganz selten betonnt. Wer hier nicht genau die Fahrrinne erahnt und einhält, kann schnell zu einem Wassergrundstück kommen. Dummerweise hatte ich das ein paar Stunden später vergessen…


Auch in diesem Abschnitt gab es wieder viel Natur zu sehen. Hier Adebar mit einer Wohnung der kurzen Wege



Das Wetter allerdings wurde immer noch nicht besser, ständig zogen Regengebiete durch. Da kommt wieder eines.


Auch in diesem Streckenabschnitt wird über mehrere Kilometer am rechten Flußufer der Deich saniert und erhöht.




Ich nähere mich der Stadt Gorzów Wielkopolski (Landsberg an der Warthe). Dort leben immerhin 125.000 Menschen, auch wenn aus Richtung Küstrin kommend erst mal nicht viel von der Stadt zu sehen ist. Der besondere Reiz der Strecke vor Landsberg ist ein anderer. Man glaubt, in ein Tal hinein bergab zu fahren. Das ist natürlich Unfug, aber ich habe selten eine so verblüffende Täuschung der Sinne erlebt. Aus dem Bild oben kommt das nicht ganz so raus, man muß es im Original gesehen haben.


Kurz vor Landsberg ist noch eine Brücke zu passieren, dann geht es in Richtung Stadt.




Die ersten Vororte tauchen auf, mit schicken neuen Eigenheimen. Wieder kam Wind mit starken Böen auf. Bis hier her war die Welt für mich noch relativ in Ordnung. In der Kurve, die am rechten Bildrand zu sehen ist, sollte sich das schlagartig ändern. Ich fuhr rechts an der Grenze der Fahrrinne, auch, um der Strömung etwas zu entgehen. Jedenfalls dachte ich das. Eine plötzliche, starke Böe drückte mich 5, 6 Meter weiter ans Ufer. Um der Misere zu entkommen, gab ich Gas und lenkte wieder vom Ufer weg. Aber nur kurz, dann tat es einen gewaltigen Schlag an Motor und Spiegel. Ich war auf einen großen Stein oder Betonelemente aufgefahren, 15 Meter weit im Fluß. Die Schraube hat es zum Glück überlebt, angefressen, aber ohne Unwucht. Hier hätte die Tour zu Ende sein können. (15:00Uhr; km 52,8)




Gleich am Ortseingang wird gebaut. Ein Hafenbereich entstand, an diesem Neubauten. Was auch immer das werden soll - da wird man wohl auch im oberen Stockwerk ab und an nasse Füße bekommen. Scrollt bitte mal etwas nach oben, welche Höhe der Deich vor Landsberg hatte...







Hochhäuser und Bahnanlagen sind nun nicht gerade das, was man von einer Stadt zu sehen wünscht, deren Geschichte bis vor die Zeit der Völkerwanderung zurückverfolgbar ist. Doch nach einer weiteren Kurve gibt es doch noch sehenswertes:













Es wurde mächtig gebaut in Landsberg. Dann kündigt die letzte Brücke der Stadt an, das bald wieder Natur kommen wird. Nach der Brücke liegt erst einmal der Hafen des örtlichen Klubs.


Hier werden Pferde gezüchtet….


... während auf der anderen Flußseite durchaus beachtliche Hüttchen stehen



Die typische Warthelandschaft vor Santok. Vereinzelte Häuser, links sanfte Hügel,



... oder wie hier die Reste einer alten Windmühle.


Und irgendwann taucht dann auch Santok auf. In diesem Dorf fließen Warthe und Netze (Notec) zusammen.




Der Ort hat eine Fähre, die allerdings scheinbar ins Nirwana führt. Der Weg zur Fähre ist ein besserer Fußweg, auf der Gegenseite ist eigentlich nichts. Nicht mal ein Weg.



Da ist es, das Tagesziel. Hier mündet die Netze (von vorn kommend) in die Warthe (in Blickrichtung nach rechts abzweigend). Doch im Mündungsbereich fiel erst einmal die Drehzahl stark ab. Eine Plasttüte, wie sich hinterher herausstellte. Nun geht es also in die Netze. Ich bin gespannt. Auf den Fluß, die Landschaft und vor allem die Strömungsgeschwindigkeit.



Bevor es jedoch endgültig in die Netze geht, liegt linksseitig die Marina von Santok. Auf der Rücktour werde ich mir die genauer ansehen.

Und dann geht es tatsächlich in die Netze. Nach den ersten 100 Metern Ernüchterung:





Nicht nur, das auch hier der Wind voll draufsteht. Auch die Fließgeschwindigkeit hat nicht mit den 0,1 - 0,3 m/s aus den benutzten Karten zu tun. Die Netze fließt in der Praxis stellenweise schneller zu Tal als die Oder.



Die Landschaft am Fluß selbst ist natürlich genial. Alte Weiden wechseln mit Schilfbeständen und Altarmen.



Am km 7,2 ist es dann um 19:30 Uhr geschafft. Es wurden 42,6 km zurückgelegt.


Und ich ahne: Das ist der weiteste Punkt, den ich auf dieser Reise erreichen werde. Die Strömungsgeschwindigkeit der Netze, verbunden mit der Witterung lassen eine sinnvolle Weiterreise nicht zu. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Doch morgen ist erst mal Gammeltag. Ausruhen, Wunden lecken, Ausrüstung umsortieren. Ich finde in meinen Kisten nichts mehr.


Die Schraube hat die Grundberührung so leidlich überlebt, so jedenfalls das Ergebnis der genaueren Betrachtung. Von Rissen jedenfalls ist nichts zu sehen. Da habe ich wohl noch mal Glück gehabt.