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Einfach mal raus!

Tag 6 und 7

 

Der Wetterbericht vom rbb hat recht behalten. Als ich um 05:00 Uhr erwachte, goß es in Strömen. Schnell den Schlafsack wieder über den Kopf gezogen...

Aber das Schlechtwettergebiet soll im Laufe des Vormittags ja abziehen. Also heißt es ausharren. Dummerweise wird damit aber auch das Zeitfenster eng, "meine" Insel doch noch zu erreichen. Versuchen will ich es trotzdem. Einstweilen bleibt nichts weiter als traurig unter dem Tarp hervorzuschauen. Gegen 08:20 Uhr klart es dann doch erstmals auf, der Regen hört auf und um 09:00 Uhr bin ich wieder auf dem Fluß. Ohne Kaffee...


Kurz vor Lebus kommt mir ein Fischer entgegen.


Und Lebus selbst zeigt sich auch nicht von seiner sonnigen Seite.



Und nach Lebus kam sie dann auch als zweites Boot des Tages entgegen - die WaschPo... Mir fielen sofort alle Sünden ein - Kennzeichen hundertprozentig von der Plane abgedeckt, die Ziffern 2 cm zu klein usw. Aber man hatte ein Einsehen und ließ mich ziehen.


Frankfurt/ Oder empfing mich, wie es mich verabschiedet hatte. Nur der Wind hatte etwas nachgelassen.




Nach Frankfurt kam mir ein Paddler entgegen. Überhaupt waren die an diesem Montag auf der Oder sehr aktiv. Er fragte nach dem nächsten Hafen. Gefahr ging von mir ja auch nicht aus. Es ging mit 5 km/h bergan...


Auch die Pfadfinder am deutschen Ufer der Oder waren noch da.



Kurz nach Frankfurt bergauf gibt es eine alte Regattastrecke. In der Mündung wurde auf Salmoniden geangelt. Gerne hätte ich mir das angesehen, aber ich hatte ja keine Zeit. Die Verzögerung durch den Regen forderte ihren Tribut.



Dieser alte Turm gehört dazu. Bei Gelegenheit muß ich mir das mal genauer ansehen. Vielleicht gibt es hier Einsatzstellen.



Vorbei geht es am alten Hafen Urad, der mir bei der Hinfahrt Schutz gegeben hatte und die Möglichkeit, anzulegen und einiges zu korrigieren.



Kurz vor Eisenhüttenstadt. Der Schubverband setzt zum Überholen an. Übrigens das einzigste Wasserfahrzeug, was mich während der gesamten Tour überholt hat - was einiges zum geringen Verkehr aussagt. Darin liegt natürlich auch eine Gefahr, denn man blickt automatisch weniger nach hinten. Jedenfalls mir ging es so.



Um 18:10 Uhr passiere ich nach 46 gefahrenen km die Einfahrt von Fürstenberg. Schließlich will ich ja zu meiner Insel. Das wird knapp, kann aber funktionieren. Der geneigte Leser wird nun zu der Feststellung kommen, das sei verrückt. Ja, ihr habt Recht :-)


Weiter es es die Oder bergauf.







Ratzdorf Pegel und die Neißemündung in der letzten Abendsonne. Um 20:15 Uhr nach 57,2 gefahrenen km verlasse ich Deutschland wieder.


Ratzdorf selbst scheint es mit dem Wassersport nicht so zu haben. Es gibt keine erreichbare Einsatzstelle, auch der Sportbootlieger ist von Land aus legal nicht erreichbar. Parkplätze im Ort sind nicht vorhanden. Er liegt mitten in einem als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Fläche, die Wege nach dort führen zwangsläufig über den Deich und sind auch gesperrt. Das ginge sicherlich auch anders. Wenn man denn wollte…


Also weiter bergauf, schließlich will ich zu meiner Insel. Und - oh Schreck - ich finde sie nicht mehr. Sie ist einfach weg! Die Oder wird sie doch nicht mit den letzten Hochwassern entsorgt haben? Das wäre ja entsetzlich!



Aber einen Kilometer weiter tauchte sie dann im letzten Licht des Tages doch noch auf. Erleichterung machte sich breit. Um 20:58 Uhr landete ich an. Nach 60,6 km gefahrener Strecke. Und argwöhnisch beäugt von zwei Anglern, die es sich auf der Buhne zuvor bequem gemacht hatten.


Für diejenigen, die Vorbehalte gegen das Fahren in Polen haben: Es kam, was kommen mußte. 15 Minuten nach dem Anlanden kam einer der polnischen Angler herüber. Nicht, um sich zu beschweren, oder sonstwie zu meckern. In einem Gemisch aus polnisch, deutsch und russisch wurde kurz das woher und wohin geklärt. Ja, ich will hier bis morgen Nachmittag bleiben. Und auch ein bißchen Angeln. Ja, hier hätten Kollegen einen 75-kg-Wels gefangen. Sehr gute Stelle. Man versuche es jetzt da drüben auf der Buhne. Das wars dann auch. Der polnische Angler ging wieder, die Lage war geklärt, ab jetzt hatte jeder wieder seine Ruhe. Nur in einem blieb der polnische Angler den Klischees treu. Als er erfuhr, daß ich mit den 5 PS aus Santok komme sage er nur: "Gute Maschine!!" :-)



Schnell das Tarp aufgebaut, regnen sollte es nicht. Sagte der rbb auf info-radio. Geangelt habe ich nicht mehr. Es ging zeitig zu Bett, das rechte Knie schmerzte stärker. Noch ein Blick aus dem Tarp stromab.



Den Anblick kenne ich ja schon aus dem vergangenen Jahr. Und er begeistert immer wieder.



Das Boot mache ich wie gestern mit einem Erdnagel fest. Diese Teile aus Edelstahl haben sich für mein relativ leichtes Boot auch im Sand prima bewährt. Ich möchte sie nicht mehr missen.



Die Nacht war ruhig. Nichts, was den Schlaf unterbrochen hätte. Um 06:00 Uhr schaute ich vor die Tür. Temperaturen um die 15 °C, aber die Sonne hinter Wolken versteckt. Das Jahrhundertereignis Venusdurchgang durch die Sonne werde ich nicht beobachten kommen. Man kann nicht alles haben. Also zurück in den Schlafsack. Ich bin auch erst um 09:00 Uhr aufgestanden. Der Luxus des letzten Tages.


Zu Mittag gibt es heute Königsberger Klopse mit Reis. Jedenfalls, wenn ich den Kocher nicht verschütte. Ich hatte wieder mal nicht bedacht, daß nasser Sand sich in Blöcken nach unten schiebt.



So langsam geht es ans Zusammenräumen. Der Hersteller des Tarps schrieb, man solle das Ding nur im trockenen Zustand zusammenlegen. Heute konnte ich ihm den Wusch erfüllen. Und ihr seht, das Tarp nimmt so gut wie keinen Platz in der Ausrüstungskiste weg.




Auch das Auspacken der Angeln hat sich gelohnt. Nach einigen Barschen biß nach 13:00 Uhr diese prächtige Schleie. Ihr sollten noch drei dieses Kalibers folgen. Alle sind wieder ins Wasser zurückgewandert, denn gegessen hatte ich und bis nach Hause wären sie nicht zu transportieren gewesen. Das ist kein Freibrief, ich komme wieder... :-)



15:22 Uhr. Eigentlich wollte ich ja erst gegen 19:00 Uhr zurückfahren. Aber der Blick auf die Armbanduhr schreckt mich hoch. Das sieht nicht gut aus. Also schnell gepackt und um 16:15 Uhr geht es zurück nach Fürstenberg.


Einige der Leser werden jetzt sicher sagen, der hat doch nen Vogel. Fährt an Fürstenberg vorbei und nimmt die km gegen den Strom noch auf sich, nur um zu so einer Sandinsel am Strom zu kommen. Einem Außenstehenden mag das sicher so erscheinen. Fakt ist aber, die Insel war wieder ein Highlight der Tour. Ruhe, Entspannung und Kraft hat sie mir gegeben. Ich möchte das nicht missen.


Der Sportbootanleger in Ratzdorf - von der Außenwelt abgeschnitten.


Unterwegs am polnischen Ufer - Angler mit Maximalausrüstung.


Die gesprengte Brücke vor Eisenhüttenstadt kündigt das Ende der Tour an.



Die Einfahrt nach Fürstenberg. Noch kein Grund leichtsinnig zu werden, auch die erfordert noch die volle Aufmerksamkeit.



Um 17:35 Uhr und nach 14,2 km ist der Ausgangspunkt wieder erreicht. Ich fahre direkt auf die Slipstelle und hole das Auto.



45 Minuten später ist alles „verpackt“, es kann heimwärts gehen.



Ich verabschiede mich von Fürstenberg und es geht heimwärts. Keinen Augenblick zu früh übrigens, denn schon nach einigen Kilometern öffnet der Himmel seine Schleusen.


Eine erlebnisreiche Tour ist zu Ende. Auch wenn die Ziele nicht erreicht wurden.