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Einfach mal raus!

Schleusen  

Schleusen im Spreewald bedeutet harte Arbeit. Die meisten Schleusen sind Selbstbedienungsschleusen, man muß also selbst Hand anlegen. Viel kann man nicht falsch machen. An jeder Schleuse findet sich eine Bedienungsanleitung. Letztlich gleicht sich die Bedienung der Schleusen, so das hier eine generelle Darstellung erfolgen kann, was man tun muß und was man lieber bleiben lässt. Natürlich richtet sich dieser Artikel an den Anfänger, der das erste Mal vor so einer Schleuse steht. Der Fortgeschrittene kann diesen Beitrag getrost überlesen...

Anfahrt


Die lässt sich in zwei Punkten beschreiben: vorausschauend und auf der richtigen Seite. Auf der richtigen Seite ist leicht. Dazu dienen Schilder mit Pfeilen, die auf die Seite weisen, wo sich die Schleusenkammer befindet und wo man folgerichtig hin muss. Diese Seite ist auch am Ausbau der Anlegestellen zu erkennen. Der Höhenunterschied ist bei Spreewaldschleusen nicht sonderlich gross. Das könnte einige Menschen in kleinen Kajaks dazu verleiten, bergab fahrend eben nicht durch die Schleuse, sondern über das daneben liegende Wehr zu fahren. Ein Mal konnten wir das während unserer Touren beobachten. Lasst es sein. Es ist nicht nur verboten, es geht mit den im Spreewald gebräuchlichen Kajaks auch ganz gründlich schief.



Bilder oben: Anfahrt sowie Bedienelemente einer Schleuse von Land aus. Die roten Punkte kennzeichnen die Lage der weiter unten genannten Bedienungshebel für die Füllung/Leerung.


Schwieriger ist die Sache mit dem vorausschauend Fahren. Kommt die Schleuse in Sicht, sollte man sich einen Überblick verschaffen, was vor einem los ist. Schleust gerade jemand, stehen Schleusentore offen, wo kann man festmachen? Befinden sich Personen an der Schleuse, ist immer Vorsicht geboten. Während des Schleusens treten in Nähe der Ein- und Auslässe erhebliche Strömungen auf, die den Anfänger wegen der sonst kaum vorhandenen Strömung doch überraschen können. Bergauf fahrend ist das nicht weiter schlimm, bestenfalls wird man von der Anlegestelle abgetrieben. Fehler bei der Bergabfahrt enden allerdings meist in sehr unsanften Berührungen mit der Anlegemöglichkeit oder schlimmstenfalls dem oberen Schleusentor! Von daher: Langsam an die Schleuse heranfahren und wenn geschleust wird, immer damit rechnen, dass Strömungen auftreten können!



Eine Schleuse von unten aus gesehen


Schleusen vorbereiten

Im günstigsten Fall steht das Schleusentor vor einem offen, man kann also direkt einfahren. Falls nicht, müssen erst einmal die Anleger vor dem Schleusentor genutzt werden und das Boot festgemacht werden. Ich werfe zu diesem Zweck immer eine sehr lange Festmacherleine ans Ufer und das wars dann. Das kann vielmals gut gehen, muss aber nicht... Nach dem Aussteigen betrachtet man den Zustand der Schleuse. Je nach Ergebnis können einige der folgenden Bedienungsschritte weggelassen werden.




Schleusen


Die nachfolgenden Stichpunkte gelten für das Schleusen bergauf- und bergab und gehen davon aus, dass der Paddler allein ist und das Boot am Anleger vor dem Schleusentor festgemacht hat.Beide Schleusentore schließen. Dazu nutzt man die Metallstangen, die an den Toren angebracht sind. Nach Nutzung gehören die Stangen wieder in die dazu angebrachte Halterung! Zum Schließen und Öffnen der Tore ist ein gewisser Kraftaufwand erforderlich.


Eingefahren in die Schleusenkammer


Nun gilt es, den Wasserstand in der Schleuse dem Wasserstand an der Seite des Kanals angleichen, an der das Boot liegt.

Dazu muss Wasser in die Schleuse gelassen oder aus dieser abgelassen werden. Die dazu notwendigen Ein- und Auslässe bedient man durch Umlegen von Hebeln - siehe Foto.


Beispiel 1 zur Verdeutlichung: Man will bergauf fahren, die Schleusentore sind beide geschlossen, das Wasser in der Schleusenkammer steht höher als auf der Seite, wo unser Boot liegt. Das Wasser muß dort also raus. Bevor wir jedoch die Ablassventile auf der Seiten unseres Bootes öffnen muss geprüft werden, ob die auf der anderen Seite auch geschlossen sind! Sind sie es, können die Hebel auf der Seite, auf der unser Boot liegt, umgelegt werden. Das muss vorsichtig geschehen und in jedem Fall treten am Boot erhebliche Strömungen auf. Ist es nicht sicher festgemacht, wird man eine Runde schwimmen müssen! Der Wasserstand in der Schleuse sinkt und irgendwann ist er gleich dem Wasserstand beim Boot.




Beispiel 2 zur Verdeutlichung. Wir fahren bergab, beide Schleusentore sind geschlossen und der Wasserstand in der Schleuse ist niedriger als der an unserer Liegestelle. Es muss Wasser in die Schleuse rein. Dazu die Ventile der gegenüberliegenden Seite schließen und die derjenigen bootsseitig vorsichtig öffnen. Wasser strömt in die Schleusenkammer, der Wasserstand steigt und hat irgendwann den Wasserstand auf der Seite erreicht, an der unser Boot liegt. Schleusentore auf der Seite öffnen, wo unser Boot liegt, einfahren und Boot festmachen.
Das Öffnen der Schleusentore darf nicht zu früh erfolgen. Wenn der Waserstand nicht vollständig ausgeglichen ist, kann man die Tore nur unter erheblicher Kraftanstrengung öffnen. Also immer warten, bis sich der Wasserstand ausgeglichen hat.


Ist man allein spart es Arbeit, wenn man das Boot in die Schleusenkammer von Land aus hineinziehen kann. Deshalb sollte man eine sehr lange Festmacherleine am Boot befestigt haben (5 - 7 m). Das hat sich bewährt und ist auch zu anderen Gelegenheiten recht hilfreich. Beim Festmachen des Bootes in der Schleusenkammer muss unbedingt darauf geachtet werden, das sich ja der Wasserstand ändert! Zu kurz angebundene Boote werden entweder unter Wasser gezogen oder - viel häufiger vorkommend - schweben irgendwann in der Luft! Das ist lustig, aber nur für andere Paddler! Das geöffnete Schleusentor schließen und auch die Ventile wieder in die Stellung "Zu" bringen. Auf der gegenüberliegenden Seite die Ventile vorsichtig (!) öffnen. Der Wasserstand in der Schleuse passt sich dem Waserstand auf der Seite an, wo man ausfahren will. Wasser strömt in die Schleusenkammer/ aus der Schleusenkammer und verursacht dabei erhebliche Wirbel. Da die Schleusenkammern seitlich einige vorstehende Teile und Vertiefungen besitzen, muss man dabei das Boot beobachten und ggf. ein Verklemmen oder Hängenbleiben verhindern.


Das klingt alles hoch kompliziert, ist es aber nicht. Nach zwei, drei Schleusenbedienungen hat man die Arbeitsabläufe "drin".
An jeder Schleuse gibt es neben den schon angesprochenen Schildern mit dem Bedienungshinweisen auch eines mit der genauen Bezeichnung der Schleuse. Bei Schäden oder Problemen ist der dort benannte Ansprechpartner zu informieren.
An den Schleusen sind Mülltonnen vorhanden, wo man Reste los wird. Man braucht also nicht irgendwas unterwegs in die Gegend werfen.